Wissenswertes - Influenzaviren

Influenza A / H5N1 (bzw. H5Nx)

Erreger und Reservoir

Im Jahr 1997 trat in Hong-Kong ein neues aviäres „high pathogenic“ virus“ (HP) des Subtyps H5N1 auf (Bezeichnung im Folgenden: HP H5N1/Asia). Entstanden war dieses Virus vermutlich durch Reassortment, hervorgegangen aus einem „low pathogenic“ virus“ (LP) H5-Virus mit 2 anderen aviären Influenzaviren [H9N2, H6N1]). Dieses neue Virus war mit einer ungewöhnlich hohen Pathogentät assoziiert.

Dieses Virus wurde bei sehr engem Kontakt mit infizierten Vögeln auch auf den Menschen übertragen, wenngleich hierfür sehr hohe Virusmengen erforderlich waren. Zudem ging es mit einer sehr hohen Lethalität einher.

In der unmittelbaren Folgezeit kam es in der Region Hong-Kong sowie in China zu weiteren Ausbrüchen mit HP H5N1/Asia Viren und nachfolgend zu einer weiteren Verbreitung dieser Viren über weite Teile Asiens bis hin nach Afrika, Indien und Europa.

Wie die übrigen aviären Influenzaviren wurde das HP H5N1/Asia als ein Begleiter der Wildvögelpopulation über den Vogelzug weltweit verbreitet. Weitere Reassortments mit LP-Viren führten dazu, dass sich die HP H5N1 Viren in verschiedene Genotypen und Virusstämme diversifizierten.

Vorkommen / Verbreitung

Im Zusammenhang mit dem Vogelzug wurden zunächst vereinzelt begrenzte Ausbrüche unter Wildgeflügel beobachtet und es kam in der Folge auch zu Einträgen von H5N1 in Nutzgeflügelbestände. Durch die Tötung der betroffenen Bestände konnte in der Anfangszeit die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden.

Bei späteren Ausbrüchen wurde nicht mehr so konsequent vorgegangen. Durch den Vogelzug einerseits aber auch durch Transporte von Geflügel breitete sich H5N1 (bzw. seine Nachkommen) stetig immer weiter aus.

Die genetische Veränderung der H5N1-Viren durch Mutationen (Gen-Drift) und Reassortments (Gen-Shift) war/ist ein Prozess, der dabei stetig neue Virusstämme und Genotypen mit veränderten Eigenschaften hervorgebracht hat bzw. hervorbringt.

Im Jahr 2020 hat sich ein neues H5N1-Virus gebildet (Klade 2.3.4.4b), das sich in den Folgejahren mit gesteigerter Pathogenität unter Wildvögeln verbreitet hat und auch sehr entlegene Gebiete erreicht hat. Aufgrund der weiten Verbreitung und der sehr hohen Opferzahlen (allein mehrere Millionen Seevögel – ganze Brutkolonien gingen verloren) liegt es nahe, von einer Pan-Zoonose (analog zu einer Pandemie) zu sprechen.

Dieses H5N1-Virus (Klade 2.3.4.4b) wurde nach 2020 zudem vielfach in Säuger-Spezies nachgewiesen. Häufig betroffen waren Walross, Robben und Seelöwen, die in direkter Nachbarschaft zu Seevögeln lebten und bei denen bei Ausbrüchen 2023 ebenfalls hohe Opferzahlen zu beobachten waren. Aber auch viele andere Säugetierarten (Hundeartige, Katzenartige, Marder, Otter, Nerze, Bären, Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder, Delfine, Mäuse und Ratten) wurden positiv getestet (Virusnachweise aber vereinzelt auch Antikörpernachweise [Hinweis auf zurückliegende Infektion]), bei denen Kontakte zu anderen Wildvögeln (als Seevögeln) angenommen werden können.

Bei Katzen (Haus- und Großkatzen) gibt es Hinweise darauf, dass auch eine Übertragung durch kontaminiertes rohes Futter-Fleisch möglich sein könnte.

In den USA wurde im Frühjahr 2024 von Erkrankungsfällen sowohl bei Rindern aber auch bei Menschen, die Umgang mit Rindern hatten, berichtet. Bis Mitte 2024 wurde das Virus in Rinderherden in 12 US-Bundesstaaten nachgewiesen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Virus-Nachweis in Kuhmilch, der einen weiteren potentiellen Übertragungsweg offenbart.

Unter experimentellen Bedingungen war eine Infektion von Kälbern durch mit Virus inokulierter unpasteurisierter Rohmilch möglich. Die Kälber entwickelten eine milde Symptomatik und schieden 2 – 4 Tage Virus über die oberen Atemwege aus (Nasalabtrich). Anschließend waren Antikörper nachweisbar.

 

Übertragung auf den Menschen

Weltweit sind einige Infektionen durch aviäre Influenzaviren beim Menschen beschrieben. Hierbei sind auch andere Subtypen als HP H5N1 Viren vertreten. Gemessen an der Verbreitung in der Tierwelt sind die Zahlen bei Menschen sehr gering.

Die Symptomatik beim Menschen kann sehr verschieden sein. Neben milden Verläufen sind auch schwere Verläufe beschrieben bis hin zu Todesfällen.

Die ECDC stuft das Risiko, dass vom gegenwärtig bei Wildvögeln zirkulierenden HPAI H5 Klade 2.3.4.4b Virus ausgeht, für die „Normale“ Bevölkerung in der EU als gering ein. Ein etwas höheres Risiko (gering bis moderat) besteht für Menschen, die in Geflügelbetrieben oder mit Wildtieren umgehen.

Aktuell gibt es keine Hinweise auf eine Mensch-zu-Mensch Übertragung. Darüber hinaus sind Infektionen mit HPAI H5 Klade 2.3.4.4b Viren (bisher) mit den üblichen Influenza-Medikamenten (Amantadin, Neuraminidase-Hemmer sowie Polymerase-Hemmer) behandelbar.

Eine Impfung mit einem saisonalen Impfstoff schützt (im Experiment) nicht vor einer Infektion mit HP H5N1 Viren. Es gibt vereinzelt Überlegungen ein H5N1-Epitop in den saisonalen Impfstoff (als 4. Komponente) hineinzunehmen.

 

Besteht ein Pandemie-Risiko?

Weltweit sind einige Infektionen durch aviäre Influenzaviren beim Menschen beschrieben. Hierbei sind auch andere Subtypen als HP H5N1 Viren vertreten. Gemessen an der Verbreitung in der Tierwelt sind die Zahlen bei Menschen sehr gering.

Aufgrund der Pan-Zoonose Situation und insbesondere der häufigen Virusnachweise in Säugerspezies sind die HP H5N1 Viren gegenwärtig unter intensiver Beobachtung der verschiedenen Gesundheitsbehörden. Auf der Basis der Erkenntnisse wird an entsprechenden Reaktionsplänen gearbeitet.

Ob sich aus der Pan-Zoonose Situation eine Pandemie hervorgehen kann, hängt vermutlich entscheidend davon ab, ob sich eine produktive Mensch-zu-Mensch Übertragung ausbildet.

Anhand von Untersuchungen zum H1N1-Pandemievirus von 1918 geht man inzwischen davon aus, dass dieses Virus möglicherweise als ein Ergebnis nach einer Reihe von Punktmutationen aus einem aviären Vorläufervirus entstanden sein könnte – also allein durch die sog. Antigen-Drift. Bisher hat man hierfür eher ein Rekombinationsereignis zwischen einem aviären und einem humanen Influenzavirus (im Rahmen einer Doppelinfektion) angenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine produktive Mensch-zu-Mensch Übertragung infolge von Punktmutationen entsteht, könnte tatsächlich also höher sein, als man bisher vermutet hat.

 

Impfung (beim Menschen)

Die STIKO empfiehlt eine generelle Impfung mit dem saisonalen Impfstoff insbesondere für ältere und immungeschwächte Personen. Eine besondere Impfempfehlung hat die STIKO nun (07/2025) auch für (beruflich und/oder privat) exponierte Personen abgegeben, die einen häufigen und/oder direkten Kontakt zu Geflügel und See-/Wildvögeln, zu Robben oder Schweinen haben.

Eine Impfung mit dem aktuellen saisonalen humanen Influenza-Impfstoff (Trivalenter Impfstoff mit den Komponenten H1N1, H3N2 sowie einem Influenza B Stamm) bietet zwar keinen direkten Schutz vor Infektionen durch die Erreger der aviären Influenza, sie kann jedoch Doppelinfektionen (und damit Reassortments; s.o.) von H5N1/H5Nx mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern.

Spezielle H5N1/H5Nx-spezifische Impfstoffe sind bereits in der Entwicklung. Einige haben auch schon eine Zulassung und können in begründeten Zusammenhängen entsprechend verabreicht werden. Weitere Impfstoffe sind in der klinischen Erprobung. Eine Übersicht ist verfügbar unter: https://www.vfa.de/de/forschung-entwicklung/pharmaforschung/vogelgrippe

 

Weiterführende Informationen und Links

Risikoeinschätzung des FLI zur HPAI H5/Klade 2.3.4.4b und weitere Dokumente zum Thema HPAIV (Friedrich Loeffler-Institut)
Übersicht: https://www.fli.de/de/publikationen/risikobewertungen/
hier weiterscrollen zum Punkt „Hochpathogene aviäre Influenza (HPAI; Klassische Geflügelpest)

Übersicht zur Aviären Influenza der ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en/avian-influenza bzw. der EFSA: https://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/9702

Dokumente und Informationen zur aviären Influenza u.a. zum aktuellen Stand der Verbreitung in Deutschland https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/

Informationen der World Organisation for Animal Health (WOAH [vorm. OIE]) zur aviären Influenza u.a. zum aktuellen Stand der Verbreitung bei Tieren bzw. Vögeln: https://www.woah.org/en/disease/avian-influenza/#ui-id-2 .

Bewertung HPAI H5 der WHO (zusammen mit FAO und WOAH): https://www.who.int/publications/m/item/updated-joint-fao-who-woah-public-health-assessment-of-recent-influenza-a(h5)-virus-events-in-animals-and-people-july2025

Übersichtsartikel bei Wikipedia - Influenza A Virus H5N1: https://de.wikipedia.org/wiki/Influenza-A-Virus_H5N1 sowie Geflügelgrippe: https://de.wikipedia.org/wiki/Vogelgrippe_H5N1

Deutsches Grünes Kreuz: https://dgk.de/fachleute/dgk-fachnewsletter/neue-influenza-impfindikationen.html

 

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